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HIMMLISCHE, UNGEPLANTE ALLEINGEBURT IN EINER STUNDE

PFB Hebamme Melody

Drei Abende vor der Geburt haben wir uns noch einmal ganz bewusst in den Kurs eingeloggt. So richtig auf den letzten Drücker. Wir haben uns Videos angeschaut, Inhalte wiederholt, vor allem das Modul rund um Geburt und die inneren Zustände – Beta, Alpha, diese Übergänge. Und wir saßen da und dachten beide: Krass, wir finden uns da gerade so sehr wieder.
Nach dem zweiten Abend haben Dominik und ich noch lange über Geburt gesprochen. Es tat so gut, alles noch einmal präsent zu haben. Am dritten Abend sagte Dominik schließlich: „Jetzt fühle ich mich wirklich vorbereitet.“ Und genau das war es. Es hat völlig gereicht.

Am nächsten Morgen ging es los.
Um 5:00 Uhr wachte ich auf, weil ich dachte, ich müsse nur kurz auf Toilette. Ich stand auf – und dann platzte meine Fruchtblase. Ich setzte mich, und es lief und lief und lief. Erst mal realisieren. Mein Handy gezückt, meinen engsten Freunden geschrieben: Fruchtblase geplatzt. Bitte betet für mich.

Was dann passierte, war irgendwie völlig verrückt. Menschen fingen an zu beten, noch bevor ich richtig begriffen hatte, was los ist. Eine Frau aus der Gemeinde schrieb mir frühmorgens, obwohl wir kaum Kontakt hatten. Unsere Pastoren beteten. Ich hatte das Gefühl: Ich werde getragen.

Kurz darauf bekam ich Durchfall – genau wie schon bei meiner ersten Geburt. Als ich von der Toilette kam, war es 5:15 Uhr. Ich weckte Dominik und sagte ihm, dass es losgeht. Wir riefen die Hebamme an. Mein Bauch fühlte sich hart an, sonst war noch nicht viel. Sie sagte, sie mache sich langsam fertig und wir melden uns wieder.

Ich beschloss, noch schnell zu duschen. Während Dominik den Geburtspool aufbaute, wollte ich unbedingt meine Haare waschen. Irgendwie hatte ich schon das Gefühl, dass der Pool am Ende gar nicht gebraucht werden würde. Während ich unter der Dusche stand, wurden die Wellen plötzlich häufiger, stärker, intensiver. Ich wusch meine Haare, kämmte sie, zog mich an, putzte mir die Zähne – alles dauerte länger, weil die Intensität so schnell zunahm.

Als ich aus dem Bad kam, war ich ohne es zu wissen in der Übergangsphase. Dieses Gefühl, dass man denkt: Ich halte das nicht aus. Diese absolute Grenzerfahrung, dieses Nicht‑wissen‑wohin‑mit‑sich. Es war so intensiv. Und ja – ich habe mich kurz verkrampft. Ich habe gemerkt: Ich mache gerade genau das, was man nicht tun sollte. Ich stand auf den Zehenspitzen, als würde ich fliehen wollen. Und dann musste ich mich bewusst stoppen, mich erinnern: So geht es nicht. Locker lassen. Annehmen. Mitgehen. Da wusste ich: Sie ist schon bald da!

Ich sagte zu Dominik: „Sie kommt bald.“ Instinktiv ging ich auf die Knie, auf die Malerfolie vor unserem Sofa. Und direkt kam die erste Presswelle. Es ging alles so schnell, dass ich diesmal gar nicht richtig in diesen tiefen Trance‑Zustand kam wie bei der letzten Geburt. Es war einfach rasant. Ich konnte Dominik gerade noch sagen, dass er mir das Höschen ausziehen soll. Dann kam schon die nächste Presswelle. Ich hielt meine Hand nach unten, weil ich gespürt habe: Jetzt kommt das Köpfchen. Dominik sagte: „Das ist schon da.“ In diesem Moment hat er realisiert, was gerade passiert.

Es gab keine Pause mehr. Eine weitere Presswelle – und unser Baby war da. Dominik fing sie auf.
Ich saß erst einmal einfach nur da. Zwei Minuten lang konnte ich noch gar nicht hinschauen, sie nicht direkt annehmen. Ich war völlig überrumpelt von der Geschwindigkeit. Aber ich hörte Dominik vor Freude lachen. Ich hörte unser Baby weinen. Und ich wusste: Es geht ihr gut.

Die Hebamme war zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs, brauchte aber insgesamt etwa 45 Minuten. Unsere Tochter war da, lange bevor jemand anderes eintraf.

Zusammengefasst:
Um 5:00 Uhr platzte meine Fruchtblase. Die Wehen wurden schnell intensiver und dichter. Die Übergangsphase war – wie immer – diese klare Grenzerfahrung, in der man denkt, man hält es nicht aus und weiß nicht wohin mit sich. Und dann: drei Presswellen. Und unser Baby war geboren. Die Geburt dauerte insgesamt etwa eine Stunde.

Vieles fühlt sich im Nachhinein verschwommen an, fast wie durch Watte. Es ging alles so schnell. Und gleichzeitig war es auf eine besondere Weise ruhig. Als wäre es einfach passiert. Fast so, als hätte jemand gesagt: Okay, machen wir jetzt eben.
Fünfzehn Minuten nach der Geburt habe ich dieses Selfie gemacht. Darauf sieht man es: überwältigt, überrascht, dankbar. Und voller Freude. Halleluja!

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