
TRAUMHAFTE, HIMMLISCHE HAUSGEBURT DES VIERTEN KINDES
Lisa
„Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen.“
Psalm 37,4–5
Dieser Psalm steht für mich über dem Anfang dieser Geburt. Beim Nachsinnen darüber ist mir noch einmal ganz neu aufgefallen, wie sehr Gott mir darin begegnet ist. Ihr kennt mich und wisst, dass ich meine Lust wirklich am Herrn, an seinen Wegen und Ordnungen gefunden habe – und dass ich mir wünsche, darin immer weiter zu wachsen.
Das Krasse ist: Im Vorfeld der Geburt hatte ich ganz konkret gesagt, dass mein größter Wunsch wäre, dass die Geburt nachmittags stattfindet, dass Naemi gerade wach geworden ist und dann mit Oma und Opa unterwegs sein kann und ich in dieser Zeit ganz in Ruhe das Baby bekommen kann. Und ich staune so darüber, dass Gott es tatsächlich genau so gemacht hat. Vieles hat er sogar noch viel besser gemacht, als wir es uns hätten vorstellen können.
Der Morgen – es geht langsam los
Früh, ungefähr zwischen sechs und halb sieben, bin ich wach geworden. Es ging ein bisschen Fruchtwasser ab und ich merkte, dass sich der Schleimpfropf löste. Damit war für mich klar: Es wird so langsam losgehen. Natürlich konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen, wann genau das Baby kommen würde. Ich meldete mich bei meiner Hebamme Anke. Danach waren wir erst einmal oben frühstücken und gingen anschließend wieder nach unten.
Irgendwann sagte ich zu Patrick: „Doch, ich denke, das geht jetzt bald los.“ Und dann kam mir noch ein Wunsch: Ich hätte gern, dass Ines kommt und mir für die Geburt die Haare flechtet. Patrick meinte sofort: „Na klar, komm, wir rufen sie an.“ Also kam Ines tatsächlich noch vorbei und machte mir die Haare.
Und dann fügte sich schon das erste Detail so wunderschön: Ines nahm Lirian mit, sodass er erst einmal beschäftigt war. Naemi fuhr mit Oma und Opa in den Baumarkt und Pauline war auf einem Kindergeburtstag. So hatten Patrick und ich ungefähr zwei Stunden am Vormittag ganz für uns. Wir konnten die Zeit ein bisschen genießen, unten noch alles vorbereiten und schon etwas Wasser in den Geburtspool lassen.
Inzwischen hatte ich die ersten Wehen der Eröffnungsphase. Sie waren noch angenehm und schön. Wir erzählten zwischendurch ganz normal miteinander und riefen Anke an. Irgendwann kam Naemi wieder nach Hause und ich konnte sie noch zum Mittagsschlaf hinlegen. Das war für mich sehr schön. Sie schlief wunderbar.
Die Eröffnungsphase
Gegen 13:30 Uhr kam dann Anke. Ungefähr zu dieser Zeit holte Opa auch Pauline wieder vom Kindergeburtstag ab, weil sie bei der Geburt auf jeden Fall dabei sein wollte.
Als Anke da war, veratmete ich weiter die Wehen der Eröffnungsphase. Die Abstände wurden langsam etwas kürzer. Ich saß noch viel auf meinem Hüpfball, lief herum und konnte mich weiterhin unterhalten. Pauline testete sogar schon einmal den Pool, sprang ins Wasser und tauchte darin, weil der Pool so schön groß war.
Nach und nach wurden die Wehen intensiver. Trotzdem war es noch so ruhig und gut auszuhalten, dass ich mich noch einmal um Naemi kümmern konnte, als sie aufwachte. Sie war vielleicht noch eine halbe bis dreiviertel Stunde bei uns. Das war sehr schön, weil sie dadurch noch ein bisschen miterleben konnte, was geschah, während die Atmosphäre weiterhin ganz ruhig war.
Dann fuhr Naemi wieder mit Oma und Opa los. Sie gingen noch zu einem Fest im Küchengarten. Lirian war inzwischen ebenfalls wieder da. Auch er war superlieb und ruhig und schaute sich alles an.
Im Wasser
Als die Geburt intensiver und anstrengender wurde, ging ich in den Pool. Dort war es zunächst weiterhin angenehm. Irgendwann kamen sogar Pauline und Lirian mit zu mir ins Wasser. Die beiden gaben mir unglaublich viel Kraft. Lirian war so süß, streichelte meinen Bauch und kuschelte mit mir.
Währenddessen veratmete ich weiter die Wehen. Es war bereits die Phase, in der man immer tiefer in sich hineingeht, aber die Wehen waren trotzdem noch gut auszuhalten.
Die Übergangsphase
Irgendwann spürte ich den deutlichen Anstieg zur Übergangsphase. Da schickten wir die Kinder erst einmal aus dem unmittelbaren Geschehen heraus. Wir sagten ihnen, dass sie spielen oder von etwas weiter weg zuschauen sollten. In diesem Moment wollte ich wirklich nur noch Anke und Patrick direkt um mich haben.
Patrick kam mit zu mir und Anke hielt meine Hände. Jetzt wurde es auf jeden Fall anstrengend und sehr kraftzehrend. Und ich kam wieder an den Punkt, den ich aus meiner Übergangsphase kenne, an dem ich sage: „Jetzt möchte ich nicht mehr. Jetzt will ich nicht mehr. Jetzt wird es mir zu viel.“
Das ging noch einige Minuten so. Dann wollte ich aus dem Wasser heraus, weil ich mich noch einmal hinlegen und kurz ausruhen wollte. Ich sagte das auch so und wir machten es genauso. Ich legte mich aufs Bett.
Die Pressphase
Nach vielleicht noch zwei Wehen begann bereits die letzte Phase, die Pressphase. Sie zog sich allerdings etwas hin. Dadurch, dass ich lag, habe ich in diesem Moment auch noch einmal ein Stück von Naemis Geburt verarbeitet. Ich sagte zu Anke immer wieder, dass ich nicht aktiv mitpressen möchte, sondern meinen Körper die Arbeit machen lassen will. Ich wollte nicht zum Pressen animiert werden.
Anke machte das auch überhaupt nicht. Sie ließ mir den Raum, den ich brauchte. Dadurch dauerte es allerdings etwas länger. Mein Körper schob Simeon ganz langsam, Stück für Stück, weiter nach unten.
Irgendwann sagte Anke dann, dass ich noch einmal in die Hocke gehen beziehungsweise mich vor das Bett hocken sollte, weil es doch schon etwas länger dauerte und Simeon nicht weit genug nach unten kam. Also stand ich auf. Zuerst drehte ich mich noch einmal zum Bett. Ich weiß heute gar nicht mehr genau, wie Patrick mich in diesem Moment gestützt hat. Schließlich drehten wir uns um und ich ging in die tiefe Hocke.
Patrick war hinter mir, Anke vor mir. Pauline und Lirian waren sogar neben uns und beobachteten die Geburt.
Simeon wird geboren
Jetzt begann wirklich die Endphase. Mit sehr viel Kraft wurde schließlich das Köpfchen geboren. Danach musste Anke ein bisschen nachhelfen, weil eine Schulter etwas feststeckte. Sie griff unterstützend ein – und das war für mich völlig in Ordnung.
Und dann war Simeon geboren.
Zunächst war er ganz still. Er war relativ blau angelaufen, schlapp, hatte die Augen geschlossen und wirkte völlig entkräftet. Aber so ging es mir in diesem Moment ebenfalls. Gerade der letzte Teil der Geburt war sehr anstrengend.
Traumhaft und himmlisch
Trotzdem würde ich diese Geburt insgesamt wieder als total traumhaft und himmlisch beschreiben. Es gab viele Parallelen zu Naemis Geburt. Auch diesmal war die erste Phase wunderschön und ebenso die zweite Phase der Geburt traumhaft und ganz unkompliziert.
Meine Herausforderung beginnt immer mit der Übergangsphase, wenn die Spitzen der Wehen kommen und am Ende noch einmal die ganze Kraft gefordert wird. Auch die letzte Phase, die Austrittsphase, ist bei mir eher schwierig. Ich weiß nicht, woran das liegt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass meine Babys relativ schwer sind und auch Simeon wieder ein relativ hohes Geburtsgewicht hatte. Vielleicht ist es etwas Anatomisches bei mir. Vielleicht fällt es mir in dieser letzten Phase schwer, wirklich loszulassen. Ich weiß es nicht. Das weiß Gott.
Aber am Ende war alles in Ordnung. Ich bin diesmal überhaupt nicht gerissen und Anke musste nichts nähen. Es gab lediglich eine minimale Geburtsverletzung, die von selbst heilen kann.
Danach war ich einfach nur dankbar, glücklich und völlig fertig. Ich lag auf dem Bett und hatte Schüttelfrost. Das kenne ich von mir nach Geburten – nach dieser enormen körperlichen Anstrengung.
Dann haben wir mit alkoholfreiem Sekt angestoßen und waren einfach nur glücklich und dankbar.
Gottes Segen über jedem Detail
Wenn ich auf diese Geburt zurückblicke, empfinde ich vor allem eine tiefe Dankbarkeit dafür, wie stark Gottes Segen wieder über allem lag. Gerade auch in den vielen kleinen Details mit den Kindern war es für mich unbeschreiblich.
Wir hatten genau die helfenden Hände, die wir brauchten. Um alle Kinder wurde sich auf perfekte Weise gekümmert. Naemi konnte genau zu der Zeit mit Oma und Opa unterwegs sein, in der die Geburt in ihre entscheidende Phase ging – genauso, wie ich es mir im Vorfeld gewünscht hatte. Pauline und Lirian konnten die Geburt gleichzeitig auf eine so schöne und natürliche Weise miterleben. Und Anke hat nicht nur mich begleitet, sondern auch die beiden Kinder in dieser besonderen Situation wunderbar mitgenommen.
Es war einfach unfassbar schön. Wunder-, wunderschön.
Und ich würde jeder Frau wünschen, so ganz natürlich und schön gebären zu können.
„Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen.“
Psalm 37,4–5
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