
WUNDERSCHÖNE, EINGELEITETE KLINIKGEBURT - SELBSTBESTIMMT + KRAFTVOLL
Naemi
Liebe Joana,
danke dir von Herzen für den tollen Geburtsvorbereitungskurs. Ich hab vor 5 Tagen eine WUNDERschöne Klinikgeburt erleben dürfen und möchte die Geschichte gerne mit dir teilen und vielleicht auch andere damit ermutigen.
Der errechnete Termin war der 12.03.2026. Ich hatte einen ganz normalen Vorsorgetermin bei meiner Frauenärztin. Während des CTGs kam es mir schon komisch vor, dass sie die Herztöne nur schwer finden konnten. Beim Ultraschall sagte sie dann: „Hm, ich sehe den Kopf hier auf der linken Seite – das Baby hat sich in Querlage gedreht.“
Erstmal ein richtiger Schock. Querlage bedeutet: keine normale Geburt möglich – ein Kaiserschnitt wäre nötig. All die Vorbereitung und Vorfreude auf eine natürliche Geburt – umsonst? Ich hatte große Angst vor einem Kaiserschnitt und mich damit überhaupt nicht auseinandergesetzt. Und jetzt sollte ich plötzlich so kurz davor stehen?
Ich wurde ins Mathilden Hospital in Herford überwiesen, wo ich eigentlich entbinden wollte. Dort sollten die Ärzte sich alles nochmal anschauen und entscheiden, wie es weitergeht. Im Kreißsaal wurde zunächst ein CTG geschrieben. Immer wieder ging ich in den Vierfüßlerstand und ließ den Bauch hängen – in der Hoffnung, dass sich das Baby vielleicht doch noch zurückdreht. Dann ging es zum Arzt – ausgerechnet der, der bei der Geburtsplanung schon wegen des geschätzten hohen Gewichts Stress gemacht hatte. Ich wusste also, dass ich mich nicht verunsichern lassen durfte. Beim Ultraschall hatte ich noch leise Hoffnung… aber der Kopf lag weiterhin links, die Füße unten, der Rücken oben. „Also, es kommt nur ein Kaiserschnitt in Frage. Und ich schätze das Gewicht auf 4200 Gramm.“
Ich fragte nach einer äußeren Wendung. Er meinte, das würden sie wahrscheinlich nicht machen, wollte aber noch einen Oberarzt hinzuziehen. Dieser sagte sofort: „Nein, das machen wir nicht. Kaiserschnitt heute oder morgen – aber keine Wendung. Nicht am ET und schon gar nicht bei dem Gewicht.“
Jan-Luis und ich entschieden: Wir holen uns eine Zweitmeinung. Wir fuhren nach Hause und bekamen in Detmold einen Termin für den nächsten Tag, um zu prüfen, ob eine äußere Wendung möglich ist. Den Abend nutzte ich noch für die Spinning-Babies-Übungen aus dem Kurs. Viel Zeit blieb nicht – wir wollten früh schlafen, um Kraft zu sammeln. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Ich habe viel geweint.
Dann lief zufällig ein Lied: „Your Ways Are Higher Than Mine.“ Der Text traf mich mitten ins Herz. Genau das wollte ich: Vertrauen, dass Gottes Wege höher sind als meine. Die Nacht war unruhig. Ab 2 Uhr lag ich wach.
Ich wusste, dass ich schlafen muss, denn entweder ich kriege am nächsten Tag einen Kaiserschnitt oder werde eingeleitet, wenn die Wendung klappt. Aber wer schläft schon gut, wenn er weiß, dass er gut schlafen muss?!
Ich habe gebetet, war im Vierfüßlerstand, habe alles versucht, meinem Baby Raum zu geben. Gegen sechs Uhr döste ich nochmal kurz ein. Als ich aufwachte, fühlte sich mein Bauch anders an. Dort, wo vorher der Kopf war, spürte ich nun Beine. Oben rechts etwas Rundes – entweder der Kopf oder der Po. Ich wollte mir keine falsche Hoffnung machen.
Um acht Uhr waren wir im Krankenhaus in Detmold. CTG. Dann Ultraschall. Die Ärztin tastete erst meinen Bauch ab, murmelte etwas… Dann setzte sie den Schallkopf unten an – und ich sah einen großen runden Kreis. Der Kopf lag unten. „Sie können normal entbinden!“ Was für eine unglaubliche Wendung – ganz ohne äußeren Eingriff. Danke Gott!
⸻
Nun stand die nächste Entscheidung an. Da der Kleine offenbar noch viel Platz hatte, bestand die Gefahr, dass er sich wieder in eine ungünstige Lage dreht. Also zwei Optionen: Einleitung – oder nach Hause gehen und mit der ständigen Angst leben, dass er sich wieder querlegt. Wir spürten: Die Einleitung ist unser Weg.
Auch wenn ich es eigentlich nicht wollte, weil meine erste Geburt eingeleitet und sehr schmerzhaft gewesen war. Doch ich war so dankbar, überhaupt normal entbinden zu dürfen, dass ich die Einleitung annahm.
⸻
Noch am selben Vormittag fuhren wir zurück ins Mathilden Hospital. Wir entschieden uns für Tabletten zur Einleitung. Um 12:30 Uhr starteten wir mit der ersten Dosis. Nach etwa zehn Stunden, gegen 22 Uhr, wurden die Wehen regelmäßig. Dank des Geburtsvorbereitungskurses konnte ich sie gut veratmen. Ich spürte die Intensität – aber nicht als Schmerz.
In der Nacht zuvor hatte ich mir gesagt: Wenn ich normal entbinden darf, werde ich jede Wehe dankbar annehmen. Und genau das tat ich. Ich nahm jede Wehe mit Dankbarkeit an, nutzte die Pausen zum Kraft sammeln. Gegen Mitternacht kamen die Wehen alle 2–3 Minuten. Ich begann zu tönen.
Die Untersuchung zeigte: Muttermund erst 1–2 cm. Das war erstmal enttäuschend. Doch ich wusste: Die Öffnung verläuft nicht linear. Zahlen sagen wenig aus. Die Wehen wurden zwischenzeitlich wieder schwächer. Erst als gegen 3 Uhr die Fruchtblase platzte, konnte das Köpfchen richtig Druck aufbauen – und es ging voran. Die Intensität blieb ähnlich – egal, wie weit der Muttermund geöffnet war. Ein weiterer Beweis, sich nicht von Zahlen verunsichern zu lassen.
Doch ich war unglaublich erschöpft. Seit über 24 Stunden kaum geschlafen. In den Wehenpausen schlief ich kurz ein, wachte zur nächsten Wehe auf, veratmete sie – und schlief wieder ein. Ich fragte mich: Wie lange schaffe ich das noch? An einem Tiefpunkt nahm ich Traubenzucker und wusch mein Gesicht mit kaltem Wasser. Das gab mir neue Kraft.
Am meisten hat mir die Atmung und ein komplett entspannter Körper geholfen, die Wehen nicht als Schmerz, sondern nur als intensiven Druck zu spüren. Die Wehen haben tatsächlich richtig Spaß gemacht!
Ich habe bei jeder Wehe intuitiv den Vierfüßlerstand eingenommen und mein Becken in einer liegenden 8 gekreist. Die Ballonatmung aus dem Kurs tat unglaublich gut. Ich habe die intensiveren Wehen (ca. 8h alle 2-3 min) immer beim Ausatmen auf ein tiefes O getönt. Sobald ich merkte, dass es wehtat, habe ich bewusst jeden Muskel entspannt und richtig geatmet, dann war der Schmerz weg. In der Wanne war ich auch kurz, aber da hat mein Kreislauf leider nicht mitgemacht.
Um 7 Uhr kam der Schichtwechsel. Und genau die Hebamme kam, die ich mir gewünscht hatte. Schon bei der Anmeldung hatten wir beide gedacht: Wir passen gut zusammen. Am Abend zuvor hatte sie noch gesagt: „Morgen um sieben bin ich wieder da – dann machen wir eine richtig schöne Geburt!“ Und genauso kam es.
Mit ihr begannen die Presswehen. Die waren für mich nicht schmerzfrei und sehr intensiv, aber trotzdem machbar. Um 7:33 Uhr wurde unser kleiner Tony geboren – im Vierfüßlerstand, mit 3780 g und 53 cm. Ich durfte ihn selber hochnehmen und auf meine Brust legen. Ein unglaublich schöner Moment!!
⸻
Während der Wehen begleitete mich immer wieder dieser Vers: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.“ Und ja – es war genau so. Gott hat mir die Kraft gegeben und mir diese wunderschöne, intensive, kraftvolle und so bestärkende Geburt geschenkt. Außerdem hat er mir einen wundervollen Mann geschenkt, der mich die ganze Geburt über so gut unterstützt hat ❤️
Und was auch meiner Meinung nach wichtig ist, dass man sich in der Vorbereitung nicht zu sehr auf die Schmerzfreiheit konzentriert, sonst kann es einen während der Geburt daran hindern, in den Flow zu kommen. Ich habe tatsächlich nicht an eine schmerzfreie Geburt geglaubt bis ich sie selber erlebt habe.
Ganz lieben Dank für deine tolle Arbeit!! Gott segne dich und deine Familie! 🤍
Ganz liebe Grüße
Naemi
